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Verhalten

Sumatra-Orang-Utans sind fast ausschließlich “arboreal”, was bedeutet, sie verbringen so gut wie ihr ganzes Leben in den Bäumen, wo sie klettern, fressen und schlafen. Sie benutzen alle vier Hände (ihre Füße sind ja genau wie Hände), um sich in den Ästen fortzubewegen. Nur sehr selten benutzen sie die für die Gibbons typische “Hand über Hand” Methode des Fortbewegens. Außerdem klettern die Orang-Utans oft in kleinere Bäume der mittleren Baumschicht des Waldes, welche sie hin und herschwanken, bis sie den nächsten erreichen können. Dies ist eine sehr energiesparende Art der Fortbewegung.

Leben Orang-Utans in Gruppen?

Im Vergleich zu anderen Menschenaffen sind Orang-Utans dafür bekannt, Einzelgänger zu sein. Orang-Utans sind “Obstesser” und ihre Nahrung ist in den Wäldern meistens nur stellenweise zu finden. Wenn nur wenige Bäume Früchte tragen, ist es im Interesse des Orang-Utans, diesen entweder alleine, oder nur mit dem eigenen Jungen zusammen aufzusuchen, um so viele Früchte wie möglich selber fressen zu können. Je mehr Orang-Utans zusammen sind, umso mehr Bäume mit Früchten müssen sie finden und umso weiter müssen sie umherziehen, um genug Nahrung zu finden. Wenn aber ausreichend Nahrung vorhanden ist, dann fressen Orang-Utans oft zusammen und ziehen sogar für mehrere Tage gemeinsam umher.

Was essen Orang-Utans?

Die Nahrung des Orang-Utans besteht zu 60% aus Früchten. Sie fressen außerdem junge Blätter, Lianen und Palmstiele, Insekten und ab und zu auch Baumrinde. Besonders in Sumatra fressen sie täglich auch eine große Anzahl von Ameisen und Termiten. Der Sumatra-Orang-Utan frisst außerdem das Fleisch des Langsamen Loris (Nycticebus coucang), ein nachtaktiver Affe.

Orang-Utans auf Borneo dagegen wurden noch nie dabei beobachtet und deshalb ist dieses Verhalten vermutlich einzigartig für den Sumatra-Orang-Utan.

Wo schlafen sie?

Orang-Utans benutzen Blätter, um sich in den Bäumen Nester zum Schlafen und Ausruhen zu bauen. Sie bauen fast jede Nacht ein neues Nest (nur ab und zu reparieren sie ein altes Nest, das sie gefunden haben), und der Sumatra-Orang-Utan baut auch zur Mittagszeit meistens ein neues Nest, um Mittagsschlaf zu halten.

Um die Nester zu bauen biegen sie einige lange Zweige in der Mitte und machen damit einen Rahmen. Dann weben sie kleinere Zweige in diesen Rahmen, bis daraus eine gemütliche Schale entsteht, in der sie schlafen können.

Wenn es nach Regen aussieht, bauen sie auch oft eine Art Dach für ihr Nest. Auch dazu benutzen sie Zweige und Blätter.

Ein typischer Tag

Für den Orang-Utan beginnt ein typischer Tag  mit Sonnenaufgang kurz nach 6 Uhr morgens. Er wacht in seinem Nest auf und verbringt die ersten 3 Stunden damit, in einem nahegelegenden Baum viele Früchten zu fressen. Anschließend beginnt er herumzuziehen, wobei er weitere Nahrung aufnimmt. Um die Mittagszeit baut er ein Nest, in dem er für ca 1 Stunde Pause macht. Dann zieht er weiter umher, wobei er oft auch Termiten, Blätter oder Lianenstiele frisst. Bevor er ein neues Nest für die Nacht baut, verbringt der Orang-Utan wieder einige Stunden in einem Obstbaum und labt sich an dessen Früchten bis er sich meistens gegen 16 oder 17 Uhr zur Ruhe legt und schläft.

 Die Fortpflanzung des Orang-Utans

Ein weibliche Orang-Utan bekommt ihren ersten Nachwuchs im Alter von ca. 15 Jahren. Die Schwangerschaft dauert ungefähr 8 Monate und 20 Tage. Weitere Babys bekommt sie dann alle 8 oder 9 Jahre auf Sumatra, und alle 6 bis 8 Jahre auf Borneo. Dies ist der längste Zeitraum zwischen Geburten bei an Land lebenden Säugetieren.

Ein gesunder, weiblicher Orang-Utan kann in der Wildnis ein Alter bis Ende 50 oder sogar 60 Jahren erreichen  und  kann in ihrem Leben 4 oder 5 Junge großziehen. Zwillinge sind nur in Gefangenschaft bekannt. Sie würden in der freien Natur vermutlich nicht überleben, weil es für die Mutter zu schwer wäre, beide Jungtiere mit sich in den Baumwipfeln herumzutragen und für sich selber und 2 Junge Nahrung zu finden.

Die Entwicklung eines Orang-Utans

Junge Orang-Utans wachsen und entwickeln sich nur sehr langsam und ihr Alter wird oft unterschätzt. In ihrem zweiten und dritten Lebensjahr fangen die Jungen an, ihre Umgebung ein bisschen zu erkunden. Sie lernen zu klettern, bewegen sich aber nie mehr als ein paar Meter von der Sicherheit ihrer Mutter weg, und das Jungtier klammert sich immer an der Mutter fest, wenn sie von einem Baum zum nächsten ziehen. Erst wenn er drei Jahre alt ist, fängt ein junger Orang-Utan an, selbstsicher und alleine umherzuziehen, aber er bleibt nach wie vor in der Reichweite der Mutter und frisst und schläft mit ihr.

Erst wenn ein neuer Bruder oder Schwester geboren wird, verbringt das Erstgeborene, nun ca 9 Jahre alt, mehr und mehr Zeit außer Sichtweite der Mutter und schläft in seinem eigenen Nest.  Alle paar Tage besucht er aber immer noch die Mutter und verbringt viel Zeit mit ihr.

Auf diese Weise lernt ein junger Orang-Utan die zahlreichen Fähigkeiten, die er zum Überleben braucht. Er lernt, wo er Nahrung finden und wie er die verschiedenen eßbaren Dinge verarbeiten kann.

In den Sumpfgebieten Sumatras lernen Orang-Utans außerdem mit Hilfe von “Werkzeugen“, den Honig aus Bienenstöcken zu holen und die Samen aus der harten und stacheligen Neesia-Frucht herauszubekommen.

Die etwas ungewöhnliche Eigenschaft des männlichen Orang-Utans

Männliche Orang-Utans sind einzigartig in der Welt der Primaten, weil es zwei verschiedene “Sorten“ von paarungsfähigen Männchen gibt. Weibchen in freier Wildbahn sind im Alter von 12 oder 13 Jahren geschlechtsreif und gebären ihren ersten Nachwuchs mit ca 15. Männchen erreichen ungefähr zur gleichen Zeit Geschlechtsreife, wenn sie die gleiche Größe wie die ausgewachsenen Weibchen haben (ca. 35 bis 45kg), so dass sie so schnell wie die Weibchen durch die Bäume ziehen können, um sie zu fangen und zum Paaren zu zwingen.

In jedem Gebiet gibt es aber auch einige “voll ausgereifte“ Männchen (man erkennt sie an den ausgeprägten Backenwülsten), die versuchen, das Gebiet zu dominieren und die Weibchen, die zum Paaren bereit sind anzuziehen. Diese Männchen sind fast doppelt so groß wie ein ausgewachsenes Weibchen (80kg oder mehr), und  sie sind deshalb zu langsam, um ein Weibchen zu jagen und einzufangen.

Ursprünglich wurde angenommen, dass alle männlichen Orang-Utans durch eine  kurze “Zwischenphase“ als “subadult“ gehen, bevor sie über einige Jahre in diese großen Männchen heranreiften.

Neuere Forschungsergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass einige dieser “subadults“ viele Jahre brauchen, um ihre Backenwülste auszuprägen und diese enormen Größen zu erreichen. Manchmal passiert es erst, wenn sie ca. Mitte 20 sind. Forschungsergebnisse zeigen, das ungefähr 50% aller Orang-Utan-Kinder von kleineren “subadults“ gezeugt wurden und die andere Hälfte von den dominierenden, großen Männchen.

Was für Laute machen Orang-Utans?

Den Laut, den man am häufigsten hört, wenn man einen Orang-Utan beobachtet oder verfolgt, ist der “kiss squeak“. Sie machen diesen Laut, wenn sie nervös sind oder Angst haben. Wenn sie sehr aufgeregt sind, geben sie noch “grumpf“ Laute dazu.

Genau wie Kinder jammern und meckern Orang-Utan-Jungtiere manchmal. Sie machen oft einen „miep“ Laut, wenn sie die Hilfe ihrer Mutter brauchen, insbesondere wenn sie Hunger haben oder herumgetragen werden wollen.

Der bei Weitem lauteste und kräftigste Ruf ist aber der “long call“ (weite Ruf) des männlichen Orang-Utans. Nur die großen Männchen mit ihren ausgeprägten  Backenwülsten (und einige große, heranwachsende Männchen noch ohne Backenwülste) machen diesen Laut, der sich wie eine Reihe von lautem Bellen oder Brüllen anhört und dem zahlreiche, leisere , „blubbernde“ Laute folgen.

Man glaubt, dass der weite Ruf die weiblichen Orang-Utans anzieht, die sich dann eines der dominanten Männchen zum Paaren aussuchen. Der Ruf ist außerdem eine Warnung für andere potentielle, männliche Rivalen, sich fernzuhalten, es sei denn sie wollen den dominanten Orang-Utan zum Kampf um ihr Gebiet herausfordern.

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